Dienstag, 5. März 2013

Typisch Freiburg (III): Ess-Kultur

Foto: M. Pohlmann 
Dass man in Freiburg - wie in der ganzen Region und auf beiden Seiten des Rheins - exzellent Essen gehen kann, ist Fakt. Dass "Essen" hier in der Region zur Kultur gehört, auch. Aber nicht deshalb ist "Ess-Kultur" typisch Freiburg, sondern weil Gabi Kinsky und Elmar Wittmann im Zusammenspiel mit Christian Kempa eine ganz eigene Art von "Ess-Kultur" zu einem Markenzeichen für Freiburg gemacht haben - die Kombination aus Essen mit Kabarett oder Musik. Im Herbst dieses Jahres dann übrigens seit genau 20 Jahren. Zuerst im "Deutschen Haus", seit 2005 im "Großen Meyerhof".




Foto: M. Pohlmann
Mit Programmen wie "Es gibt eine Freundschaft vor der Ehe... oder: Wo sind die blöden Pferde, die wir stehlen sollten?" - "Im Epizentrum des Lebens... oder: beben und beben lassen" oder "Es knirscht die Liebe im Getriebe... oder: Von Wärmedämmerung und Reibungsverlustierung" unterhalten die Schauspieler Gabi Kinsky und Elmar Wittmann, begleitet vom Pianisten Christian Kempa ihre Gäste in den Pausen eines Mehrgängemenüs.

Durch alle Kabarettprogramme ziehen sich dabei Auszüge aus den Benimmregeln von Willy Elmayer - immer direkt vor dem Servieren des nächsten Ganges, so dass man sich die Benimm-Hinweise direkt und buchstäblich auf der Zunge zergehen lassen kann. Denn es sind schon sehr spezielle Fundstücke, die hier von Gabi Kinsky und Elmar Wittmann ausgegraben werden.

Foto: M. Pohlmann
Wenn die beiden dann "aufeinander los gehen", dann bleibt garantiert kein Auge trocken - und das gelingt, ohne dass dabei auf das Niveau eines Mario Barth abgesunken werden muss - wer nach Vorbildern für diese Art des Kabaretts sucht, findet diese eher in einer Revue der goldenen 1920er-Jahre.

Über drei Stunden lang wird so einerseits der Gaumen verwöhnt, wie es hier in der Region üblich ist - ohne Firlefanz, bodenständig und gut. Und zwischendurch bekommt der Geist seine "Verwöhnportion", so dass man als Gast rundum glücklich und zufrieden nach Hause geht.

Foto: M. Pohlmann
Eine Art "Ableger" von dieser Art der "Ess-Kultur" bieten Chansonabende - entweder mit Elmar Wittmann und Jacques-Brel-Liedern unter dem Motto "Aufgehört, nicht aufgegeben" oder mit Gaby Kinski mit Hildegard-Knef-Liedern unter dem Motto "Ich brauch Tapetenwechsel". Auch hier zeigen die beiden, dass sie in einer eigenen Liga spielen und singen - keine der mittlerweile zahlreichen "ähnlichen" Veranstaltungen in Freiburg kann "Ess-Kultur" auch nur annähernd das Wasser reichen.

Kein Wunder, dass das "Deutsche Haus" für die beiden schnell einfach zu klein war - es war Anfang der 2000er Jahre nahezu unmöglich, an Karten für "Ess-Kultur" zu kommen, wenn man nicht am ersten Tag oder zumindest in der ersten Woche nach Bekanntgabe der Termine bereits zuschlug.

Diese Situation hat sich nach dem Umzug in den "Großen Meyerhof" zwar entspannt, ausverkauft sind die "Ess-Kultur-Abende" aber nach wie vor praktisch immer - und es kann immer noch gut vorkommen, dass es für einen bestimmten Termin schnell keine Karten mehr gibt. "Ess-Kultur" ist eben typisch Freiburg - und es ist Kult in Freiburg. Zu Recht.

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